Wichtige Zahlen zur ROI-Berechnung von EAP
BGM-Maßnahmen wie EAP müssen sich rechnen – deshalb ist die Frage nach dem ROI (Return on Investment) von einem EAP-Angebot ein Thema, auf das Sie sich bestmöglich vorbereiten sollten. Um wichtige Stakeholder vom Nutzen von EAP (Employee Assistance Program) zu überzeugen, haben wir die wichtigsten Faktoren und Punkte, die es zu beachten gilt, übersichtlich zusammenfasst.
Verfasst von:
Mavie Redaktion

Dass Mental-Health-Angebote wie EAP (Employee Assistance Program) gut fürs Team und fürs Employer Branding sind, ist unter HR-Expert:innen eigentlich Konsens. Natürlich müssen die Ausgaben für BGM-Maßnahmen auch in einer Kosten-Nutzen-Rechnung darstellbar sein. Bessere Mitarbeitergesundheit führt zu mehr Unternehmenserfolg – und das lässt sich mit den richtigen Zahlen und Berechnungen auch klar belegen.
Dieser Artikel gibt Ihnen konkrete Daten und Fakten an die Hand, die Sie verwenden können, um den finanziellen Nutzen eines EAP-Angebots gegenüber Ihrer Geschäftsführung aufzuzeigen.
Schon mal ein kleiner Spoiler vorab: Aktuelle Zahlen, die den Effekt von EAP zeigen, gibt es genug!
Faktor 1: Krankenstände
In Österreich waren Erwerbstätige 2023 im Schnitt 15,4 Tage Krankenstand (1). Generell steigen die Krankenstandstage immer weiter an – allein in den letzten fünf Jahren um 16 Prozent (von durchschnittlich 13,3 Tagen auf 15,4 Tage pro Erwerbstätige). Expert:innen gehen davon aus, dass die Krankenstandstage nicht linear weiterwachsen, sondern sogar noch höher ansteigen werden.

Bonus-Argument: Besonders lang sind Krankenstände, wenn es sich um psychische Störungen und Verhaltensstörungen handelt – in diesen Fällen dauert der Krankenstand im Schnitt 37 Tage (2023). Angesichts der Tatsache, dass sich der Anteil psychisch bedingter Krankenstände in Österreich seit 2008 verdoppelt hat, muss man also mit einer weiteren Steigerung der Krankenstandstage in den nächsten Jahren rechnen.
Faktor 2: Präsentismus
Während der Absentismus (Krankenstände) klar nachvollziehbar in Statistiken erfasst wird, wird der Präsentismus (Arbeit trotz gesundheitlicher Einschränkung) in den meisten Unternehmen übersehen bzw. unterschätzt.
Berechnungen der IGA (Initiative Gesundheit und Arbeit) gehen davon aus, dass rund 12 % der Gesamtproduktivität von Unternehmen aufgrund von Gesundheitsproblemen verloren gehen (2). Davon entfällt ein doppelt so großer Anteil auf Präsentismus (8 %) wie auf Absentismus (4 %). Präsentismus ist also eine Dunkelziffer, die Unternehmen immer mitdenken sollten.

Bonus-Argument: Auch hier spielen psychische Belastungen eine besondere Rolle. Laut Mavie Mental Health & Stress Studie 2024 nehmen zwei Drittel der befragten Erwerbstätigen keinen einzigen Krankenstandstag, um sich mit ihrer hohen Stressbelastung und den gesundheitlichen Folgen auseinanderzusetzen. Dies liegt vor allem an der Stigmatisierung von psychischen Belastungen (“Deswegen kann ich mich doch nicht krankmelden.”) Das bedeutet: Die Betroffenen arbeiten weiter, sind aber weniger produktiv (Präsentismus).
Faktor 3: Fluktuation
Fluktuation verursacht nicht nur Arbeit für HR, sondern auch Kosten fürs Unternehmen. Laut Statista betrugen die Fluktuationskosten bei Großunternehmen in Österreich im Schnitt 17.160 Euro pro Stelle (3), das sind 44 % des durchschnittlichen Brutto-Jahresgehalts in Österreich. Die Fluktuation ist in Österreich zuletzt wieder gestiegen: Nach 8,4 % im Jahr 2022 – hier ging man von einer Normalisierung nach zwei pandemiebedingten Ausnahmejahren aus – stieg die Gesamtfluktuation 2023 erneut auf 8,8 %. (12)

Bonus-Argument #1: Wenn man neben den Recruiting-Kosten auch die entgangenen Umsätze berücksichtigt, können sich die Gesamtkosten (Wissensverlust, Produktivitätsausfall, Demotivation im Team etc.) pro Stelle auf 90 % bis 200 % des Brutto-Jahresgehalts steigern, wie eine Studie der Society for Human Resource Management (SHRM) festgestellt hat (4).
Bonus-Argument #2: 85 % der Erwerbstätigen schätzen Mental-Health-Unterstützung als wertvollen Employee Benefit (5) und geben an, dass sich dadurch ihre Mitarbeiterbindung steigert. Dieser Faktor kann also die Fluktuation und die damit verbundenen Kosten senken.
Faktor 4: Produktivität
EineMeta-Studie des Harvard Business Review hat herausgefunden, dass glückliche und zufriedene Mitarbeiter:innen eine deutlich höhere Performance zeigen: Sie haben im Schnitt eine um 31 % höhere Produktivität, sind um 300 % kreativer und weisen 37 % mehr Erfolg in Sales-Prozessen auf (6). Da EAP die häufigsten Gründe für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz (Stress, Konflikte, fehlender Sinn) individuell aufarbeitet und verbessert, hat es direkten Einfluss auf die die Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen.(6)

Bonus-Argument: Ähnliche Zahlen gibt es auch auf Unternehmensebene: Das Wellbeing Research Centre der University of Oxford hat herausgefunden, dass die 100 glücklichsten Unternehmen im Schnitt um 20 % mehr Return on Investment erwirtschaften (7). “Glück” wurde in dieser Studie über vier Schlüsselwerte definiert: Arbeitszufriedenheit, Sinn der Arbeit, empfundenes Glück und Stressbelastung.
Faktor 5: Konflikte
Laut einer Studie des Hernstein Instituts für Management und Leadership gehen 15 % der täglichen Arbeitszeit durch Konflikte im Team verloren. Bei Führungskräften geht das Institut sogar von durchschnittlich 40 % der Arbeitszeit aus, die direkt oder indirekt durch Konflikte gebunden werden (8).

Bonus-Argument: Konflikte haben auch einen großen Einfluss auf die mentale Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter:innen. Laut einer Schweizer Studie sind Konflikte im Job für 57 % de psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten verantwortlich (9).
Faktor 6: Die Effekte von EAP
In einer Studie des Journal of Occupational Health Psychology konnte 2017 festgestellt werden, dass sich die Fehltage bei EAP-Nutzer:innen im Schnitt um 30 % reduzieren (10). Bei Arbeitnehmer:innen, die ähnlich stark belastet waren, aber keine EAP-Beratungen in Anspruch nahmen, stiegen die Fehltage hingegen um weitere 30 %.

Bonus-Argument: EAP kann vergleichbare Effekte auf die Produktivität (6), Mitarbeiterbindung (5) und Kreativität (6) von Teammitgliedern haben. Mitarbeiter:innen, die EAP nutzen, setzen sich höhere Ziele, zeigen mehr Initiative und erholen sich schneller von Misserfolgen. Da in EAP-Beratungen auch private Belastungen besprochen und gelöst werden, können sich Nutzer:innen auch besser auf ihren Job konzentrieren und sind insgesamt zufriedener und leistungsfähiger.
Was zeigen diese Zahlen?
Krankenstände sind die markanteste Kennzahl von Produktivitätsverlust, es gibt aber noch weitere wichtige Faktoren, die man in die ROI-Berechnung von BGM-Maßnahmen wie EAP einbeziehen sollte. Vor allem Präsentismus, Fluktuation, Konflikte und Mitarbeiterzufriedenheit beeinflussen die Produktivität nachhaltig und können durch EAP-Angebote deutlich verbessert werden.
Was ist ein guter ROI?
Der ROI von EAP ist bei jedem Unternehmen sehr individuell – seriöse Berechnungen geben einen ROI von 1:5 als Richtwert vor (11). Der ROI wird z.B. von den individuellen Paint Points des Unternehmens und der Bereitschaft des Teams, EAP in Anspruch zu nehmen, beeinflusst. Bei manchen Firmen ist die hohe Fluktuation das akuteste Problem, bei anderen häufen sich lange Krankenstände von Führungskräften (Burnout etc.) oder Konflikte, die die Produktivität von ganzen Teams hemmen. Die gute Nachricht ist, dass EAP in all diesen Fällen langfristig Kosten spart, weil die Probleme (Überlastung, Unzufriedenheit, persönliche Differenzen etc.) an der Wurzel gepackt werden.
Wenn Sie sich für die Berechnung des ROI eines individuellen EAP-Angebots für Ihr Unternehmen interessieren, treten Sie gerne direkt mit uns in Kontakt!
Quellen:
(1) https://dashboards.sozialversicherung.at/fehlzeiten/
(2) https://www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igafakten/igafakten-6
(4) https://www.shrm.org/topics-tools/news/hr-magazine/drive-turnover
(6) https://hbr.org/2011/06/the-happiness-dividend
(7) https://wellbeing.hmc.ox.ac.uk/news/stock-market-performance/
(10) https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Focp0000018
(11) https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/15555240802242999
(12) https://www.statistik.at/fileadmin/shared/IV/STATjournal-3-24_barrierefrei.pdf
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