Was Mental-Health-Benefits für Unternehmen bringen
Für 87 % der Arbeitnehmer:innen steigern Mental-Health-Benefits die Attraktivität eines Arbeitgebers. Was sind die effektivsten Mental-Health-Benefits und wie unterstützen Sie konkret den Unternehmenserfolg?
Verfasst von:
Mavie Redaktion

Was sind Mental-Health-Benefits?
Employee Benefits sind freiwillige Zusatzleistungen, die Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen bieten, um einerseits die Attraktivität ihres Unternehmens zu steigern und andererseits die Mitarbeitermotivation und Mitarbeiterbindung zu steigern. Zu den gängigsten Employee Benefits zählen Mobilitätszuschüsse (zum Beispiel ein gratis Öffi-Ticket), Remote Working, Weiterbildungsmöglichkeiten und klassische Büro-Goodies wie Kaffee, Snacks, Getränke oder der obligatorische Obstkorb.
Apropos: Der Obstkorb galt lange Zeit als typisches Employee Benefit, um die Gesundheit der Mitarbeiter:innen zu unterstützen. Mit effektiver betrieblicher Gesundheitsförderung hat dies freilich nichts zu tun. Im modernen betrieblichen Gesundheitsmanagement weiß man, dass ganzheitliche Maßnahmen zur Steigerung der Gesundheit die beste Methode sind, um die Zufriedenheit und die Produktivität der Mitarbeiter:innen langfristig zu sichern.
Während die physische Gesundheit am besten durch gezielte Bewegungsangebote und Vorsorgechecks unterstützt wird, gibt es beim Thema psychische Gesundheit vor allem einen Mental-Health-Benefit, der das Wohlbefinden und die Motivation der Mitarbeiter:innen langfristig stärkt: EAP (Employee Assistance Program). EAP-Angebote umfassen klassischerweise vertrauliche psychologische Beratungen, können aber auch durch Seminare, Workshops (zum Beispiel zu Themen wie Resilienz und Stress) und begleitende digitale Angebote (Livestreams, Talks) ergänzt werden.

Warum sollte ich mich als Entscheider:in für Mental-Health-Benefits interessieren?
Mental-Health-Benefits haben aus Unternehmenssicht eine besonders große Bedeutung, weil sie verschiedene Kennzahlen positiv beeinflussen, die für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens entscheidend sind: Einerseits führt die Nutzung von EAP-Angeboten zu einer bewiesenen Reduktion der Fehlzeiten (durchschnittlich -30 %). Dieser Faktor ist gerade in Zeiten, in denen die Krankenstände Jahr für Jahr steigen, besonders wichtig. Außerdem sorgen Mental-Health-Benefits für mehr Mitarbeitermotivation, was in weiterer Folge zu mehr Produktivität und Lösungsorientierung im Team führt.
Nicht zuletzt senkt eine hohe Mitarbeitermotivation auch die Fluktuation im Unternehmen, die einen oft übersehenen Kostenfaktor ausmacht: Berechnung gehen davon aus, dass die Nachbesetzung einer Stelle (inkl. Wissens- und Produktivitätsverlust) zwischen 90 % und 200 % des Jahresgehalts kostet.
Warum sind Mental-Health-Benefits so wichtig für Unternehmen?
Es gibt einen wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhang zwischen mentalem Wohlbefinden und Unternehmenserfolg: Eine Meta-Studie des Harvard Business Review hat herausgefunden, dass zufriedene Mitarbeiter:innen im Schnitt eine 31% höhere Produktivität haben, 37 % mehr Erfolg in Sales-Prozessen erzielen und 300 % kreativer sind.
Durch die Implementierung von Mental-Health-Benefits wird auch die Bindung an den Arbeitgeber gestärkt. Mitarbeiterbindung ist einer der Hauptfaktoren, die den Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflussen: Laut Engagement Index von Gallup haben Mitarbeiter:innen mit einer hohen Mitarbeiterbindung 81 % weniger Fehltage, sind mit ihrer Arbeit für 41 % weniger Qualitätsmängel verantwortlich und sorgen für um 10 % bessere Kundenbewertungen. Dies schlägt sich in Summe in einer um 14 % höheren Produktivität nieder (verglichen wurden Mitarbeiter:innen mit hoher emotionaler Bindung an den Job und Mitarbeiter:innen mit einer niedrigen emotionalen Bindung).
Warum verbessern Mental-Health-Benefits das Employer Branding?
Wie hoch das Interesse an Mental-Health-Benefits ist, zeigt der Randstad Work Monitor 2024: 87 % der befragten Angestellten schätzen Mental-Health-Unterstützung als wertvollen Employee Benefit. Dieser Umstand sorgt dafür, dass Unternehmen, die Angebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit bieten, einen deutlichen Vorteil im Wettbewerb um die besten Talente haben.
Durch Employee Benefits wie EAP (Employee Assistance Program) können sich Firmen daher als attraktiver und moderner Arbeitgeber positionieren, der sich präventiv um die mentale und physische Gesundheit seiner Mitarbeiter:innen kümmert. Auch auf Bewertungsplattformen wie Kununu sorgen Mental-Health-Benefits für eine bessere Positionierung und positivere Bewertungen.
Wie können wirkungsvolle Mental-Health-Benefits aussehen?
Die höchste bewiesen Wirksamkeit innerhalb der Mental-Health-Benefits haben EAP-Angebote (Employee Assistance Programs). In einer Studie des Journal of Occupational Health Psychology wurde 2017 errechnet, dass sich die Fehltage bei Mitarbeiter:innen, die EAP-Beratungen nutzen, im Schnitt um 30 % reduzieren. Bei Mitarbeiter:innen, die ähnlich stark belastet waren, aber keine EAP-Beratungen in Anspruch nahmen, stiegen die Fehltage dagegen um weitere 30 %.
Wie kommt diese Produktivitätssteigerung zustande? Bei professionellen EAP-Angeboten, die auf niederschwellige Angebote achten (Termine müssen leicht und schnell verfügbar sein und in verschiedene Settings stattfinden können, z.B. digital oder telefonisch), werden konkrete Kompetenzen gestärkt, die zu mehr Resilienz im Arbeitsleben führen.
Wie EAP den Erfolg Ihres Teams steigert
Mitarbeiter:innen, die EAP nutzen, setzen sich höhere Ziele, zeigen mehr Initiative und erholen sich schneller von Misserfolgen. Wenn Arbeitnehmer:innen EAP-Beratungen nutzen, bedeutet das, dass sie an der Verbesserung ihrer Arbeitssituation interessiert sind und ihre Selbstwirksamkeit (= Kompetenz, etwas ändern zu können) stärken möchten. Da in EAP-Beratungen auch private Belastungen besprochen und gelöst werden, können sich Mitarbeiter:innen, die das Angebot nutzen, auch besser auf ihren Job konzentrieren und sind insgesamt zufriedener und leistungsfähiger.
Auch Führungskräfte, die EAP-Beratungen nutzen, profitieren in mehrfacher Hinsicht: Sie haben die Möglichkeit, ihre Führungsrolle mit einer:m Expert:in zu reflektieren, sie können in diesem geschützten Rahmen Lösungsstrategien für schwierige Situationen (z.B. Konflikte im Team) entwickeln und haben in Summe einen sicheren Umgang mit Mitarbeiter:innen.
Diese Kompetenzen als Führungskraft führen wiederum zu einem besseren Arbeitsklima im Team und zu mehr Zufriedenheit und Produktivität: Für 69 % der Arbeitnehmer:innen hat die Führungskraft erheblichen Einfluss auf das mentale Wohlbefinden – Führungskräfte, die EAP-Beratungen nutzen und ihre Kompetenzen schärfen, sind deshalb Multiplikatoren für die Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung.

Wie kann man ein EAP erfolgreich im Unternehmen implementieren?
Holen Sie sich Unterstützung von Ihrem Management
- Entwickeln Sie einen Business Case, der darlegt, wie Gesundheit und Wohlbefinden in die Strategie, Unternehmenskultur und die Arbeitgebermarke integriert werden können. Zeigen Sie auf, dass Gesundheitsförderung ein wirksames Mittel ist, um Mitarbeiter:innen zu gewinnen, zu binden und eine starke Führungsebene zu etablieren.
- Ermitteln Sie, welche Informationen für das Management bei der Entscheidungsfindung entscheidend sind. Untersuchen Sie, welche Kosten dem Unternehmen entstehen, wenn keine Investitionen in Gesundheit und Wohlbefinden getätigt werden. Identifizieren Sie Pain Points, die durch Gesundheitsmaßnahmen adressiert werden könnten!
- Achten Sie auf sorgfältig recherchierte Informationen, um Vertrauen aufzubauen. Berücksichtigen Sie sowohl den anfänglichen Investitionsaufwand als auch laufende Budgets für zukünftige Jahre.
- Definieren Sie klare, realistische Ziele und priorisieren Sie zu Beginn jene Programme, die die größte Wirkung haben. Dies ist entscheidend, um das Engagement der Mitarbeiter:innen schnell zu gewinnen.
- Zeigen Sie auf, wie der Erfolg von Gesundheitsförderungsmaßnahmen sowohl kurzfristig als auch langfristig messbar gemacht werden kann.
Binden Sie wichtige Stakeholder rechtzeitig ein
- In der Anfangsphase eines Projekts ist es oft sinnvoll, Einzelgespräche zu führen, anstatt Themen in einer großen Gruppe zu besprechen. Diese Gespräche bieten die Möglichkeit, auf persönliche oder fachliche Bedenken einzugehen.
- Für Projekte, die das gesamte Unternehmen betreffen, sollte ein offizieller Kick-off erfolgen. Hier werden das Projekt und der Plan vorgestellt, gleichzeitig können auch die Erwartungen, Wünsche und Bedenken der Beteiligten besprochen werden. Besonders wichtig ist die Anwesenheit der verantwortlichen Führungskraft.
- In hektischen Arbeitsphasen kann es schwerfallen, den Überblick zu behalten. Daher ist es entscheidend, die Stakeholder regelmäßig zu informieren, etwa durch monatliche Updates.
Expertise von externen Partnern
- Ein ganzheitlicher Ansatz in der Gesundheitsförderung umfasst Prävention, Begleitung, Früherkennung und Akuthilfe. Um eine gesunde Organisation zu schaffen, sind maßgeschneiderte Lösungen erforderlich, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden – sowohl digital als auch analog, leicht zugänglich und einfach verfügbar.
- Im Bereich der Gesundheit ist es wichtig, dass das Beratungsteam aus gut ausgebildeten Fachkräften besteht. Empfehlungen und Lösungen sollten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Dies gewährleistet, dass alle notwendigen Leistungen kompetent und vertraulich umgesetzt werden.
- Vertrauen Sie auf einen Partner, der gemeinsam mit Ihnen die Bedürfnisse des Unternehmens analysiert und darauf basierend ein passendes Maßnahmenpaket entwickelt. Ebenso sollte dieser Partner Sie bei der Evaluierung der Wirksamkeit unterstützen.
- Der externe Partner sollte Zugang zu den neuesten Technologien und Trends haben. Achten Sie darauf, dass dieser sich kontinuierlich weiterbildet und Sie aktiv auf neue Möglichkeiten aufmerksam macht.
Evaluieren und integrieren
- Um erfolgreich Gesundheitsmaßnahmen in Ihrem Unternehmen zu implementieren, müssen diese auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt sein. Dies gilt sowohl für Angebote wie das Kantinenessen als auch für andere Gesundheitsinitiativen. Es ist wichtig, den individuellen Bedarf sowie den aktuellen Status des Unternehmens zu analysieren, zum Beispiel durch gezielte Mitarbeiterumfragen.
- Kolleg:innen, die bereits in anderen Gesundheitsinitiativen involviert waren, verfügen über wertvolle Erfahrungen und können Ihnen dabei helfen, herauszufinden, was gut funktioniert und was weniger gut ankommt. Tauschen Sie sich daher mit diesen Kolleg:innen aus, um von ihren Erkenntnissen und Best Practices zu profitieren.
Kommunizieren Sie ausgiebig
- Es ist wichtig, in der Kommunikation keine Zurückhaltung zu üben – informieren Sie die Mitarbeiter:innen klar und deutlich darüber, dass sie nun auch in ihrer Arbeitsumgebung ihrer Gesundheit mehr Aufmerksamkeit schenken dürfen.
- Im Bereich der Gesundheitsförderung vertrauen Menschen oft Empfehlungen von Kolleg:innen oder Freunden. Nutzen Sie dieses Potenzial, indem Sie in wichtigen Bereichen des Unternehmens Gesundheitsbotschafter:innen etablieren, die als geschulte und kompetente Ansprechpartner:innen auf Augenhöhe fungieren.
- Gesundheit ist ein sehr persönliches Thema, weshalb es in der Kommunikation von Gesundheitsmaßnahmen essenziell ist, stets auf die Wahrung der Privatsphäre und Vertraulichkeit zu achten.
Monitoren und lernen
- Durch Evaluierung und Monitoring wird die Leistung der betrieblichen Gesundheitsförderung messbar und nachvollziehbar. Diese Transparenz fördert das Vertrauen der Mitarbeiter:innen und gibt den Entscheidungsträgern eine klare Übersicht darüber, wie Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden.
- Evaluierung und Monitoring ermöglichen es, aus den Erfahrungen zu lernen und die Qualität zukünftiger Programme zu verbessern. Der systematische Vergleich von Ergebnissen hilft dabei, Best Practices zu erkennen und auf diese Weise kontinuierlich bessere Maßnahmen zu entwickeln.
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